Herr Emmel, warum ist es sinnvoll, eine digitale Brandschutzunterweisung speziell für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen anzubieten?
Wir müssen alle Mitarbeiter unterweisen und schulen, aber wir geraten immer wieder in Situationen, in denen wir nicht in Präsenz an die Leute herankommen. Das gilt besonders für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen.
Hier haben wir mit der digitalen Unterweisung eine Möglichkeit, auch zeitunabhängig zu arbeiten, also nicht im hektischen Kranken haus- oder Pflegebetrieb. Durch das digitale Format hat ein Mitarbeiter die Möglichkeit, das Angebot zu einer Uhrzeit oder an einem Tag seiner Wahl wahrzunehmen.
Dabei spielt auch eine Rolle, dass die Pflegekräfte in den Einrichtungen in der Regel im Schichtdienst arbeiten. Es ist also kaum möglich, alle an einem Termin oder an wenigen Terminen zu versammeln.
Nehmen Sie zum Beispiel die Nacht wachen, also die festen Nachtwachen, die immer nachts Dienst haben. Für diese Gruppe war es immer sehr schwer, passende Termine zu finden. Meistens finden die Pflichtschulungen mittags statt, und diese Termine können feste Nachtwachen nicht wahrnehmen.
Ist es nicht gerade bei den Nachtwachen wichtig, dass sie entsprechend unterwiesen sind?
Ja, das ist gerade in der Nachtwache am allerwichtigsten, weil die Besetzung dann am dünnsten ist.
Wie sieht es mit Lernenden aus, die eher in einer Fremdsprache zu Hause sind?
Für diese Gruppe sehe ich einen großen Vorteil: Man kann zur digitalen Unterweisung einen Dolmetscher hinzuziehen, also Kolleginnen, Kollegen oder Familienmitglieder und sich bei Bedarf die Texte übersetzen lassen. In Präsenzschulungen war das in der Regel nicht der Fall. Für Dozenten und andere Unterwiesene wäre das unter Umständen auch irritierend, wenn parallel übersetzt würde.
Bietet die digitale Unterweisung auch Vorteile, was die Inhalte betrifft?
Ja, wir können digital alle Themen unterbringen, bei denen das in Präsenz durch die zeitliche Limitierung nicht immer möglich ist. Jetzt kann man mehr Inhalte in die Unterweisung einbauen.
Das ist wichtig, weil man die Mitarbeiter vor Tätigkeitsbeginn vollständig unterweisen muss. Beim ersten Mal geschieht das in Präsenz, aber mit einem Link auf die Unterweisung können theoretische Inhalte vorab vermittelt und durch einen verkürzten Praxisteil ergänzt werden.
Es gibt auch Sicherheitsverantwortliche, die gegenüber den digitalen Unterweisungen eher skeptisch sind. Wie kommt das?
Zum einen, weil man diese Form noch nicht gut kennt, zum anderen, weil man lieber mit Menschen persönlich im Kontakt ist. Man hat schnell das Gefühl, man gibt etwas ab, was man gerne in der Hand hätte, um selber noch etwas dazu zu sagen. Und natürlich fehlt auch das unmittelbare Feedback. Andererseits kann man in so einer digitalen Unterweisung in Ruhe alles unterbringen, was man sagen möchte, ohne dass in der Präsenzsituation dann irgendetwas aus Zeitgründen verloren geht.
Welche Vorteile bringen digitale Formate für Arbeitgeber?
Zum einen ist es die hohe Flexibilität, also die bessere Vereinbarkeit mit den Dienstzeiten, zum anderen der geringere organisatorische Aufwand.
Arbeitgeber können die Unterweisungen auch statistisch viel besser erfassen. Die Mitarbeitenden müssen sich ja einloggen – das kann man am Ende besser auswerten als mit papiergestützten Listen. Man muss auch keine Teilnahmebescheinigungen mehr schreiben, denn das erfolgt je nach System digital. So sind dann auch die Nachweise halbwegs automatisiert, man sieht, wer es bearbeitet hat und kann sich dann auch einiges an Verwaltungsarbeit sparen.
Wie wird denn der Lernerfolg gemessen und wie wird sichergestellt, dass die Unterwiesenen die Inhalte auch verstanden haben?
Mit einer Lernerfolgskontrolle, also mit einem kleinen Test, den man gut bestehen kann, wenn man aufmerksam war.
Wenn man das nur durchgeklickt oder vorgespult hat, wird es nicht funktionieren – man muss schon aufgepasst haben. Wenn man am Ende dann doch ein Thema nicht mehr weiß, kann man den Test natürlich auch wiederholen oder die Unterweisung noch einmal ansehen.
Wie flexibel lassen sich die Unterweisungen gestalten?
Das ist ein großer Vorteil der Online-Unterweisung: Man kann in bestimmten Bereichen besonders schulen. Einen OP kann man anders schulen als etwa eine Geriatrie, eine Kinderstation oder Labore und Verwaltung noch einmal anders.
Man kann die Unterweisung durch VdS an die Menschen anpassen lassen, die sie benötigen. Das ist bei Präsenzschulungen nicht möglich, da haben Sie meistens eine bunt gemischte Zuhörerschaft und orientieren sich an der größten Berufsgruppe. Wenn man eine große Uniklinik hat oder ein großes Bettenhaus mit vielen Mitarbeitern, müsste man schon sehr viele Termine anbieten, um den Großteil passend zum Arbeitsgebiet abzuholen.
Gibt es denn Dinge, die aus Ihrer Sicht nicht sinnvoll digital vermittelt werden müssen und weiterhin Präsenz brauchen?
Man muss bestimmte Dinge weiterhin in Präsenz durchführen, wie zum Beispiel das Feuerlöschen. Wenn man einen echten Feuerlöscher in der Hand hat und damit ein echtes Feuer löscht, dann macht das einen großen Unterschied.
Oder die Räumung und Evakuierung mit dem Material, das man zur Verfügung hat. Egal ob das ein Evakuierungsstuhl ist oder Evakuierungstücher – so etwas muss man einmal in der Hand gehabt haben und auch einfach mal jemanden darin sitzen oder liegen haben. Das ist ein ganz anderes Gefühl, das kann man online nicht ausprobieren.
Aber die benötigte Präsenzzeit verkürzt sich ja: Wenn man vorher eine Online-Schulung hat, dann hat man die theoretischen Themen erledigt und kann schnell zu den praktischen Teilen kommen.
Wie läuft die Unterweisung in Gesundheitseinrichtungen, wenn Pflegekräfte keinen eigenen Arbeitsplatz mit Computer haben?
Oft können sich Mitarbeitende im Stationsbüro einloggen und müssen dazu ihr Arbeitsfeld nicht verlassen, also können tatsächlich auf Station bleiben und die Unterweisung vor Ort durcharbeiten. Man muss sich dafür aber einen Freiraum schaffen, damit man nicht während der Präsentation gerufen wird. Das muss man mit dem Team absprechen. Grundsätzlich kann man die Unterweisung aber auch für eine Weile unterbrechen. Das System merkt sich den Stand und fährt dann an dieser Stelle fort. Die Mitarbeitenden bleiben also im Notfall verfügbar. Viele arbeiten die Unterweisung auch lieber zu Hause in Ruhe und ohne Stress durch.
Wie stellen Sie die fachliche Korrektheit und die Praxisnähe der Inhalte sicher?
Idealerweise muss eine Onlineschulung oder digitale Unterweisung immer an das Unternehmen angepasst werden. Man muss wissen, was man im Gebäude hat, und das muss in die Präsentation einfließen.
Das ist auch in mehreren Varianten möglich. Große Krankenhäuser haben zuweilen fünf, sechs Gebäude, jeweils mit einer anderen Brandmeldeanlage oder einer anderen Alarmierungseinrichtung. Das muss man vor Ort über eine Brandschutzordnung klären und in der Unterweisung abbilden. Dafür ist meistens der Brandschutzbeauftragte in Zusammenarbeit mit der Haustechnik oder einem Gebäudemanagement zuständig, gegebenenfalls auch mit einem Sicherheitsbeauftragten oder dem Arbeitsschutz – je nachdem, wie ein Betrieb aufgestellt ist. Mit der Umsetzung kann man dann VdS beauftragen.
Wie sind Sie beim Aufbau der Unterweisung zusammen mit VdS vorgegangen?
Der Ausgangspunkt und das Wichtigste in der Unterweisung war, dass man den Leuten sagt oder zeigt, was sie zu tun haben, wenn sie einen Brand entdecken oder wenn ein Alarm reinkommt.
Die Mitarbeitenden sollten auch dazu motiviert werden, sich selber zu informieren: Wie bekomme ich denn ganz konkret mit, dass ein Feueralarm kommt?
Aus meiner Berufszeit weiß ich, dass etliche Menschen schon Monate, teilweise Jahre in einer Einrichtung arbeiten und trotzdem nicht wissen, wie der Feueralarm signalisiert wird. Ein Gedanke bei der Unterweisung war also, dass die Mitarbeitenden auch ein wenig Neugier darauf entwickeln, wie im Brandfall alarmiert wird und was sie dann zu tun haben. Oder sich kundig zu machen: Sind Evakuierungsmaterialien vorhanden und welche und wo sind sie gelagert oder stationiert?
Stellen Sie eigentlich in den Krankenhäusern, die Sie betreuen, schon einen positiven Effekt fest, beziehungsweise bekommen Sie entsprechende Rückmeldungen von den Mitarbeitern?
Ja, vor allem die Flexibilität wird positiv wahrgenommen und die methodische Breite: Wir haben die Online-Unterweisung und natürlich auch den zweiten, praktischen Teil, in dem die Menschen mit dem Feuerlöscher und beispielsweise auch mit den Evakuierungstüchern umgehen. So erwerben die Mitarbeitenden gutes theoretisches Wissen und dazu praktisches.
Das Theoretische kann man bei Bedarf auch immer wieder anpassen, etwa aktuelle Themen oder Veränderungen vor Ort einbauen.
Das heißt also auch, dass wenn sich weitere Krankenhäuser für das Thema interessieren, sie auf VdS zugehen und eine an ihre Verhältnisse angepasste Unterweisung bekommen können?
Ja, das ist der Idealfall in Richtung eines hundertprozentigen Schutzes. Das betrifft übrigens nicht nur die Krankenhäuser, sondern auch Gesundheitseinrichtungen wie Pflegeheime, vielleicht sogar große Beatmungs-WGs, Dialyse-Zentren, Behindertenheime. Man kann das an den gesamten Gesundheitsbereich anpassen.
Hätten Sie diese Entwicklung vor fünf oder zehn Jahren für möglich gehalten?
Eigentlich war ich immer ein Präsenz-Fan. Dass gerade ich so etwas mit entwerfe, das hätten sich wahrscheinlich viele meiner Kollegen früher nicht gedacht. Ich muss da auf die Corona-Zeit hinweisen. Sie hat gezeigt, dass man ab einem bestimmten Punkt mit Präsenz nicht mehr weiterkam – und welche Alternativen hatten wir in der Corona-Zeit? Dass wir drei Jahre lang gar nicht mehr schulen, das ging einfach nicht. Die Pandemie hat Online-Formaten den entscheidenden Anschub gegeben.
Markus Emmel ist ausgebildeter Rettungssanitäter und Pfleger und als Brand- und Katastrophenschutzbeauftragter und Notfallmanager bei einem sozialen Träger in Wiesbaden tätig. Nebenberuflich ist er für weitere Einrichtungen zuständig, darunter auch ein Fußballstadion. Im VdS-Bildungszentrum ist er seit vielen Jahren als Referent und Lehrgangsleiter aktiv.
TIPPS:
Interessieren Sie sich für die Unterweisung für Kliniken? Ausführliche Informationen und Kontaktdaten finden Sie auf der Website der VdS-Unterweisungen:
VdS-Unterweisung „Brandschutz für Klinik- und Pflegeteams“
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VdS-Lehrgang “Brandschutz in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen“
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(2-wöchige Ausbildung mit Markus Emmel als Lehrgangsleiter)
